Steinzeitreise – Erzählen von unterwegs

Geschichten erzählen zählt ja gerade zu den absoluten Trendsportarten im Journalismus. Dazu am besten noch mobil und schwupp, haben wir die Medien gerettet. Naja. So oder so ähnlich.
Sarkasmus beiseite – ich hatte in dieser Woche Lust mal etwas auszuprobieren und habe es deshalb mit mobilem Erzählen versucht. Aber nicht von einer Veranstaltung, einer Demo, einem Digitalkongress oder einer Wanderung entlang des Jakobsweg – ich habe mich auf etwas gestürzt, was mir liegt: Alte Steine.
Konkret: Megalithgräber aus der Jungsteinzeit. Davon gibt es nahe meiner Heimat mehr als genug. Interessant ist nicht nur ihre Geschichte, interessant ist auch, wie die Menschen der vergangenen Jahrhunderte sich diese gewaltigen Steinanlagen erklärt haben. Die Grabanlagen bildeten den Stoff für allerlei regionale Sagen. Einige davon durchaus spannend. Mein Ziel beim mobilen Erzählen: Beide Stränge zusammen binden und dadurch den alten Steinen n büschen mehr Drive geben. Denn ja, ich rieche eure eingeschlafenen Füße bis hier.

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Zugegeben – das hat nicht so gut geklappt. Genau das wollte ich nämlich mit Videos machen – erzählt kommen Sagen einfach besser rüber. Aber: Im Südoldenburger Raum ist das mobile Internet eher wenig ausgeprägt. So hing ich zwischenzeitlich in einem kompletten Funkloch und konnte über 2 Stunden einfach gar nichts machen. Sehr ärgerlich, aber ich hatte damit gerechnet. Das Teilen eines vorher aufgezeichneten Audios scheiterte auch – oh man, man könnte meinen, ich hätte auch mich selbst in die Steinzeit katapultiert. Die ersten Stationen meiner Reise blieben also direkt mal ohne Sagen-Erklärung, dabei waren das die spannendsten Geschichten. Ärgerlich! Aber egal, lehrreich war es trotzdem für mich, insbesondere was Arbeitsabläufe angeht. Mir hat es zudem eine Menge Spaß gemacht. Bei herrlichem Wetter auf den Spuren alter Kulturen unterwegs sein und ein bisschen ins Blaue hinein zu fachsimpeln – yay! Darauf sogar noch interessiertes Feedback bekommen – doppelyay!

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Gerade mit Blick auf ein etwaiges Publikum muss ich aber auch festhalten: Unter der Woche ist eigentlich nicht das richtige Umfeld dafür. Denn wer hat da schon Zeit, über mehrere Stunden hinweg einer solchen „Geschichte“ zu folgen? Eine Zusammenfassung im Nachhinein ist also auf jeden Fall nötig und insgesamt scheint mir das eher wie ein klassisches Sonntagsprojekt. Wobei da natürlich bei gutem Wetter auch die meisten Leute unterwegs sein werden. Tjanun.
Ob Twitter generell der richtige Rahmen dafür ist, kann man natürlich auch in Frage stellen.

Viel zu optimieren – und so kommt die nächste Reise bestimmt 🙂
Zuvor aber die Zusammenfassung der wichtigsten Stationen der Steinzeitreise:

 

Während ich auf der Autobahn gen erster Station unterwegs war, trudelte das erste Feedback ein. Mit noch mehr Steinzeit!

Den Tipp habe ich später aufgegriffen – und das hat sich wirklich gelohnt! Zunächst aber zu unserer ersten Station.

Hier käme jetzt die überaus spannende Geschichte, wie der Heidenopfertisch zu seinem Namen kam. Okay, so spannend ist sie nun auch wieder nicht, stimmt wohl.
Schuld an dem Namen ist der gewaltige Deckstein, dessen Gewicht verschiedene Quellen auf über 40t schätzen. Weil der so schön flach ist, sah er in der Vorstellung einiger Christen doch ideal für die Opfer der heidnischen Frühmenschen aus. Tieropfer und natürlich auch Menschenopfer. Waren ja heidnische Rituale gottloser Kreaturen. In der damaligen Vorstellung jedenfalls. Reicht erstmal an Details, weiter zur nächsten Station, nur wenige hundert Meter entfernt.

Zum Visbeker Bräutigam gibt es auch eine Braut – zu der man von hier weiter wandern kann. Die Geschichte dahinter: Eine junge Frau sollte von ihrem Vater zur Hochzeit gezwungen werden, dabei liebte sie eigentlich einen anderen. Am Morgen der Hochzeit machten sich Braut und Bräutigam getrennt, aber begleitet von ihren jeweiligen Hochzeitsgemeinschaften, auf zur Kirche nach Visbek. Als die junge Braut das Kirchengeläut hörte, brach sie zusammen und bat Gott um Hilfe. Ehe sie einen Mann heirate, den sie nicht liebe, wolle sie lieber zu Stein erstarren. Und so geschah es. Die Braut und ihr Gefolge verwandelten sich an Ort und Stelle zu Stein und das gleiche Schicksal ereilte den Bräutigam, dessen Gesellschaft nur wenige Kilometer hinter ihr war.

Zum Bräutigam gehören mehrere Gräber, anhand derer sich die Besonderheiten von Megalithgräbern sehr gut erklären ließen:

 

Nächste Station: Die Kleinenknetener Steine – mit etwas besserem Internet. Endlich mal die Möglichkeit für kurze Videos!

Was dann folgte: Lange Stille.

Sobald ich am Pestruper Gräberfeld angekommen war – nix mehr. Funkloch. Komplette Totenstille. Haha, jaja, passend. Hmpf. In der Folge habe ich deshalb zu den letzten Stationen nur noch kurze Zusammenfassungen gemacht.

 

Und das nächste Mal dann vielleicht zu den Römern 🙂